Es geht endlich los – Personalmangel

Endlich ist es so weit – nach wetterbedingten und organisatorischen Verzögerungen legen wir heute morgen einen Tag später als gedacht in unserem Heimatverein SVUH ab. Mit einer kleinen Unterbrechung wollen wir die Elternzeit in den nächsten drei Monaten mit dem kleinen Paul auf unserer minerva, einer Albin Ballad, verbringen. Doch schon unmittelbar nach dem Ablegen soll das bisschen Plan, was wir uns zurechtgelegt haben über den Haufen geworfen werden.

Es ist 06.15 Uhr morgens – alles ist ruhig auf der Havel. Wir legen ab in unsere Elternzeit. Das Packen und Planen der letzten Tage und Wochen ist fast vergessen – wir wollen die nächsten Monate genießen. Los geht es – nachdem wir kurzfristig umgeplant hatten, nehmen wir doch den Weg über die Oder nach Stettin und von dort in die Ostsee. Raus aus dem Hafen, ab zur Schleuse Spandau, unserem ersten Tor zu einer hoffentlich tollen Zeit. Etwas weniger als eine Stunde später stehen wir an der Spandauer Schleuse. Drei Boote sind bereits da und ein komischer Zettel am Warteplatz: „Aufgrund von Personalmangel werden an den Wochenenden 10./11. Juni und 24./25. Juni Schleusungen nur in der Zeit von 09.30 bis 18.00 Uhr durchgeführt.“ Wirklich? Das frühe Aufstehen umsonst und jetzt über zwei Stunden auf die erste Schleusung des Tages warten? Wir machen das Beste daraus – Frühstücken und noch einmal eine kurze Runde schlafen. Die Nacht war kurz – bis kurz vor Mitternacht haben wir minerva bestückt. Und hoffentlich nichts vergessen. Pünktlich um 9.30 Uhr springt die Ampel auf grün – alles will in die Schleuse. Für Eva und Paul ist es die erste Schleusenfahrt. Letzterer schläft noch und bekommt nicht viel mit.
Der Himmel will nicht richtig aufklaren. Es bleibt bedeckt, vereinzelt nieselt es mal. Ein heiterer Wechsel zwischen Ölzeug, T-Shirt und leichter Fleece-Jacke bestimmt die Fahrt bis zur Schleuse Lehnitz. Sollte uns hier unser Glück ereilen? Wir kommen an der Schleuse an und die Ampeln sind grün. Direkt rein in die Schleuse, in der jeder Quadratzentimeter von den Skippern ausgenutzt wird – Verhältnisse von denen wir bisher nur aus Holland gehört hatten. Wir machen längsseits an einem Motorboot fest, das schon mit uns in Spandau in der Schleuse war. Die Verabschiedung ist klar: „Bis gleich in Niederfinow.“ Oderberg als Tagesziel ist wieder zum Greifen nahe – und damit vielleicht sogar Stettin am Sonntag.
Am Schiffshebewerk Niederfinow treffen wir wieder alte Bekannte aus den letzten beiden Schleusen. Die Crew der anderen Segelyacht ruft am Leitstand an. „Man sollte einfach warten.“ Das Tor öffnet sich und der erste Teil eines Schubverbandes wird eingeschoben. Ich erinnere mich, dass bei meinem letzten Besuch hier die Sportboote hinter dem Verband einfahren durften. Dem ist diesmal nicht so. Wir müssen warten. Da auch drei andere Berufsschiffe vor uns da waren, befürchten wir, dass wir noch mindestens 1,5 Stunden vor dem Schiffshebewerk stehen. Also etwas Essen und ausgiebig mit dem Kleinen spielen – kaum hat man ihn auf dem Arm dröhnt es blechern aus dem Lautsprecher: „Die ersten drei Sportboote bitte sofort zum Schleusen.“ Und wir waren das Erste. Also schnell ablegen und vorfahren. Paul ist 12 Wochen und fährt das erste Mal in seinem Leben durch das Schiffshebewerk. Ich habe dafür fast 35 Jahre gebraucht.
Mit der Talfahrt wurde auch das Wetter besser. Bei schönstem Wetter kommen wir in der Marina Oderberg an. Später als gedacht und müder als erhofft. Aber wir sind am Ziel. Für heute. Wir machen längsseits fest, damit wir mit dem gelegten Mast besser von Bord kommen. Vor uns liegt ein Motorboot aus der Schweiz. Man isst gerade zu Abend – von feinstem Porzellan, dazu Rotwein aus Bleikristall-Gläsern. Ein Blick in das Boot zeigt eine Küche, die keine Wünsche offen lässt. Wir kochen uns ein paar Nudeln mit Ketchup, dazu Heißwürsten und Salat – und sparen uns sogar, den Tisch aufzubauen. Paul schläft inzwischen. Er hat seinen ersten Tag Kanalfahrt wunderbar gemeistert. Wir sitzen im Cockpit und genießen das Essen bei einem schönen Sonnenuntergang. Man braucht nicht unbedingt den Luxus, sondern muss das Leben einfach genießen können. Trotzdem wird parallel die Liste erstellt mit den Dingen, die wir zu Hause vergessen haben. Spätestens in Stettin wird alles Wichtige nachgeholt.
Wetterdaten, 24. Juni 2017
Wind: 1-3 Bft.
Windrichtung: SW
Bewölkung: 4/4
Welle:
Reisedaten, 24. Juni 2017
Ablegen: 06:15 Uhr
Anlegen: 19:30 Uhr
Ausgangsort: Berlin, SVUH
Zielort: Oderberg, Marina Oderberg
Entfernung unter Motor: 50 sm
Entfernung unter Segeln: 0 sm
Gesamtentfernung: 50 sm
Reiseentfernung (davon segelnd): 50 sm (0 sm)

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