Kinotag in Vitte

Wie angekündigt, sind wir in Vitte geblieben. Zum einen wollen wir uns Hiddensee anschauen, zum anderen brauchen wir stabiles und passendes Wetter für den nächsten – zwangsweise längeren Schlag. Dazu ist heute Kinotag in Vitte – großes Hafenkino den ganzen Tag. Das passte gut, denn nach Ausschlafen und Frühstücken wurde Paul gebadet und ein Kuchen gebacken, bevor es zu Fuß Richtung Kloster ging.

Beim Aufstehen fiel uns schon auf: Viele sind bereits auf dem Weg und es sind einige Liegeplätze frei in diesem schönen, aber auch eher teuren Hafen.

Szene 1 „Ablegen auf die dänische Art“

Die netten Dänen von nebenan legten heute morgen als erstes nach unserem Aufstehen ab. Ganz cool in Regattawesten (Windstärke 4 / 31 Fuß-Yacht – alles egal) und ohne Motor. Nur mit Leinenarbeit. Als sie aus der Box raus waren wurde der Motor angeworfen und losgefahren. Absolut aufeinander eingespielt. Unaufgeregt. Perfekt.

Szene 2 „Beinahe Stickoxidarmes Ablegen nach Ueckermünder Art“

Man nehme: eine recht neue, kantige Dehler 35 und achterlichen Wind. Starte den Motor und versuche, das Schiff aus der Box mit Muskelkraft zu ziehen. Etwas besser ging es, als die Dame des Bootes vorne die Festmacher losgemacht hat. Wobei der Akt gegen den Wind, bei über Kreuz liegenden Heckleinen, die man versucht um die Klampen zu ziehen immer noch recht… mühselig kraftvoll war. Warum der Skipper bei laufendem Motor diesen nicht zur Hilfe genommen hat, man weiß es nicht. Vielleicht hat er den Rückwärtsgang nicht gefunden.

Szene 3 „XPress anlegen“

Eine X-37 läuft zügig in die Boxengasse ein. Sekunden später steht sie in der Box. Ohne Motorjaulen, ohne Schreien, ohne 100 Leute, die das Boot vom Steg wegdrücken. Einfach so. Unaufgeregt. Perfekt.

Szene 4 „Korken im Wind“

Man sagte mir mal, dass die Seenotkreuzer zwar schnell sind, aber im Wasser liegen wie ein Korken. Heute drehte sich die Nauke wie ein Korken. Dreimal kringeln, sich von jedem Dalben im Umkreis schwungvoll persönlich verabschieden – ich kann die Leiden des Skippers vollkommen nachvollziehen. Das Boot mag weder rückwärts fahren, noch bei Wind manövriert werden.

Szene 4 „Backbord oder Steuerbord – das ist hier die Leinenfrage“

Ein älteres Ehepaar will das nicht ganz so riesige Boot zwei Boxen weiter als unsere anlegen und schlägt allerdings in der Box quer, beim Anlegen gegen den Wind. Die allerbeste Ehefrau hält eine Vorleine in der Hand und hat sie dann in der quergeschlagenen Not unserem Nachbar in die Hand gedrückt. Ich stand mittlerweile am Steg und meinte zu ihm: wenn Sie mir die Leine nach vorne geben, kann ich die um den Poller legen. Ja, aber es ist die Backbord-Leine. Kein Problem, den Poller auf der anderen Seite find ich schon.

Szene 5 „Er hat ein knallrotes Gummiboot“

Zügiges Anlegen einer Bavaria 30 mit achterlichem Wind in einer Box. Kurz danach steht die Bootsdame an Land, die Vorleinen sind fest und sie hält den Bug vom Steg weg. Warum? Er wässert in aller Ruhe das knallrote Schlauchboot und bringt die Heckleinen aus.

Szene 6 „Konspirative Boxengassenkringel“

Eine Grand Soleil fährt in die Boxengasse und stellt fest, dass nichts mehr frei ist. Aufstoppen, Rückwärtsgang und schon stehen 3 Boote hinter ihm quer, die auch in diese Boxengasse wollten. Es beginnt ein großes Kringeln – nur die Grand Soleil fährt so lässig wie sie elegant ist rückwärts durch das Gewusel raus und sucht sich einen Liegeplatz. Scheinbar braucht der Skipper aber die große Bühne, um gut manövrieren zu können, denn als die Grand Soleil dann in der gewünschten Box angelegt wird, machen mehrfach steuerbord und backbord die Scheuerkanten schwungvolle Bekanntschaft mit den Dalben. Ob es daran lag, dass ein schwedisches Boot auch zwischenzeitlich Anspruch an den Platz angemeldet hatte?

Statt Popcorn gibt es Schokokuchen zum Hafenkino.

 

Danach schauen wir uns Kloster an. Zu Fuß geht es über den Deich nach Kloster und über den Strand und den parallel verlaufenden Radweg wieder zurück nach Vitte. Beim Grillen am Abend lernen wir dann u.a. die Crew eines der quergeschlagenen Boote aus Szene 6 kennen – die beiden wollten Aufstoppen und ihnen ist der Motor ausgegangen, was zu diesem Querschlagen führte. Wir kamen ins Gespräch, da bei den beiden Nachwuchs unterwegs ist und sie im nächsten Jahr ebenfalls eine längere Elternzeit auf der Ostsee planen.

Mittlerweile weht der Wind so kräftig in den Hafen, dass man beim Ins-Bett-bringen von Paul das Gefühl hat betrunken zu sein, so sehr schwankt und schaukelt das Boot in den Wellen im Hafen hin und her. Paul schläft dafür total schnell ein. Mal sehen, wie die Nacht wird.

2 Gedanken zu „Kinotag in Vitte“

  1. Schönes Ding 🙂
    Sind gerade in Juelsminde , leider nur noch 1 Woche.
    Bin gespannt in welche Richtung Euch der Wind weht!
    Grüsse an die Crew!
    Jörg

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