Wo kommt denn der Taucher her?

24.07.2017, 04:20 Uhr, Barhöft, Deutschland. Der Wecker klingelt, die Sonne scheint. Die Frisur sitzt (halbwegs) und wir machen uns auf den Weg nach Rostock. 50 sm liegen vor uns, was uns zu dieser gewöhnungsbedürftigen Zeit aufstehen lässt. Dabei sind wir nicht die ersten, die heute den Hafen verlassen. Auf dem Weg zum Sanitärgebäude sehe ich zwei weiter Crews ablegen.

Bei uns macht sich ein bisschen „Jetzt oder nie“-Stimmung breit. Wenn wir die große Tour nach Rostock heute nicht angehen, sitzen wir lt. der Wettervorhersagen erstmal hier fest und schaffen es in den drei Monaten vermutlich auch nicht mehr viel weiter als Rügen und Bodden, denn die Halbzeit rückt unaufhaltbar näher.

Früh morgens ist das Wasser noch spiegelglatt und von Wind keine Spur. Wir müssen heute Strecke machen und wollen insbesondere die Zeit nutzen, in der Paul noch schläft. Einige Zeit später zieht Nebel auf, der allerdings mit der Brühe in Vitte nicht zu vergleichen ist. Wir sind trotz größerem Abstand zum Land wg. Naturschutzgebiet bzw. Zipfel am Darß, den wir umrunden müssen, immer in Sichtweite. Nachdem es aufklart, wird der Tag richtig schön und so langsam schiebt sich eine Welle nach der nächsten ganz sanft über das Wasser. Wo Welle auf der Ostsee ist, kann Wind nicht weit weg sein. Ein bisschen merken wir auch den Wind, als wir kurz hinter der Kardinalstonne Darßer Ort West sind. Also zackig die Segel gesetzt und dabei eingepickt, denn ein MOB-Manöver oder besser WOB-Manöver braucht hier heute kein Mensch. Dann die Enttäuschung: 1,9 kn unter Vollzeug. Die Genua hatten wir gestern in Barhöft noch flugs gewechselt, nachdem die alte kleine Genua die völlige Enttäuschung war. Das Tempo reicht uns heute leider nicht. Normalerweise hätten wir damit kein Problem, aber der Tag ist auch ohnehin schon lang genug, das müssen wir nicht noch mit so einer Geschwindigkeit forcieren.

Wir legen den Gang wieder ein und motoren weiter. Der Wind wird schon noch kommen! Und das tat er dann auch. Als wir am Darß vorbei sind, ziehen wir die Genua raus und machen zwischen 3,9 und 4,9 kn Fahrt. Genau so wollten wir das!

Thomas will sich noch mal ein bisschen hinlegen und ich übernehme das Steuer und fahre gemütlich nach Kompass weiter. Die Wellen lassen sich gut aussteuern, kein Vergleich mit den Bedingungen, die vor zwei Tagen oben am Dornbusch geherrscht haben.

Auf einmal hören wir neben uns ein „Pffffft“ und ich denk mir nur: Häh? Was war das denn? Hört sich an wie ein Taucher?! So weit von Booten und Land entfernt? Thomas hat schneller geschaltet: „Schnell, gib die Kamera! Ein Schweinswal!“ Wow! Mit weniger als zwei Metern Abstand umschwimmt uns ein Schweinswal (mal an steuerbord, mal an backbord, mal hinten) und pustet ab und zu Luft aus. Er kommt noch ein paar Mal zurück oder auch seine Artgenossen und bilden eine tierische Eskorte. Und das bei unserem ersten Ausflug auf die Ostsee. Was für ein Glück!

Kurz vor Warnemünde dann ist die Eskorte endgültig weg und der Wind wird deutlich mehr mit entsprechender Welle. Als wir die Laser in Ufernähe kentern sehen und auch die Wolken, die noch zu uns kommen werden, immer dunkler werden, entschließen wir uns kurzerhand, die Genua zu bergen und fahren mit Motor die letzten Meter in Richtung Hohe Düne. Im Hafen selbst ist dann rein gar nichts mehr von den Wellen zu merken, nur der Seitenwind nervt mal wieder. Wir finden schnell ein Plätzchen für unser Boot, hier im riesigen Hafengelände ist das auch eher kein Problem.

Das Ambiente der „Yachtresidenz Hohe Düne“ hatten wir in Ansätzen schon so erwartet, der Hubschrauberlandeplatz neben den Stegen für Boote > 16 m ist da sehr aussagekräftig. Für uns ist es hier von der Lage passend, um ein oder zwei Tage abzuwettern. Wohlfühlen ist für uns hier eher nicht angesagt. Wenn man entgegenkommende Crews grüßt, wird man eher komisch angeguckt. Das kennen wir so nicht von anderen Häfen oder auch größeren Marinas. Wir liegen aber halt auch an einem Steg für die kleinsten Boote (< 10 m).

Wir richten uns nach dem Anlegen mal wieder häuslich ein (Kuchenbude aufbauen, Wäsche waschen, etc.), denn für morgen ist Regenwetter mit bis zu 7 bft. angesagt, so können wir die Zeit nutzen und uns von dem Ritt nach Rostock (und dem frühen Aufstehen) erholen.

Auf der abendlichen Runde sehen wir die AIDAdiva, die zur gleichen Zeit ablegt, in der wir am anderen Ufer vorbei laufen. Zum Abschied hupt der große Pott einige Male, die Funkstation „Warnemünde Traffic“ und alle anderen Fähren und Fahrgastschiffe hupen zurück. Ein Spektakel, das Paul, der gerade im Tuch eingeschlafen ist, gar nicht witzig findet. Bei den letzten Huptönen hat er sich dann mit dem Lärm arrangiert und schläft einfach weiter.

Abends gehen wir früh schlafen, der Tag war lang, aber gut. Schön, dass wir so gut hier hin gekommen sind!

 

Wetterdaten, 24. Juli 2017
Wind: 1-5 Bft.
Windrichtung: W – N – NO
Bewölkung: 0/4 – 3/4
Welle: 0,0 – 0,6
Reisedaten, 24. Juli 2017
Ablegen: 05:30 Uhr
Anlegen: 15:30 Uhr
Ausgangsort: Barhöft
Zielort: Warnemünde Hohe Düne
Entfernung unter Motor: 32 sm
Entfernung unter Segeln: 18 sm
Gesamtentfernung: 50 m
Reiseentfernung (davon segelnd): 343 sm (155 sm)

2 Gedanken zu „Wo kommt denn der Taucher her?“

  1. Ja, die Chance habt ihr dann ja gut genutzt. Wir sind gestern nach Lauterbach und mussten überwiegend motoren wg. Windmangel. Heute richtiges Schietwetter. Klamotten vom Landgang hängen zum Trocken in der KuBu und wir sitzen unter Deck.

    1. Ja, hier auch genau so. Es gibt hier drei Vorgehensweisen: ausschließlich an Bord bleiben, mit kurzer Hose + Badelatschen und Ölzeugjacke nur die Sanitärgebäude aufsuchen oder in Vollmontur mit Stiefeln spazieren gehen 😳

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