Der Weg ist das Ziel!

Burgtiefe ist zwar ganz beschaulich und auch ein netter Hafen mit allem was man so braucht, aber bietet nicht so wahnsinnig viele Möglichkeiten, um mehrere Tage blödes Wetter abzuwarten. Und das war, wie so oft in diesem Sommer, mal wieder angesagt in den verschiedenen Vorhersagen. Wie sagte mal ein Kamerad von der SVUH vor einer Funstick-Regatta: „Es gibt für Segler kein passendes Wetter. Da kannst du fragen, wen du willst. Zu viel Wind, zu wenig Wind, zu viel Regen, zu viel Sonne, zu wenig Sonne, zu kalt, zu warm, zu hell, zu dunkel. Egal wie, es passt nie!“ So ein bisschen fühlen wir uns auch so, zumindest bei zu viel Wind und einhergehend zu viel Welle sind wir dann definitiv raus. Das sollte an diesem Tag allerdings nicht eintreffen.

Vorhergesagt waren 2-4 Knoten Wind, so dass wir schon überlegt hatten, welches Ziel wir denn überhaupt erreichen können von Burgtiefe aus. Schnell hatten wir Heiligenhafen auserkoren, was nur 11 Meilen weit entfernt ist. Alles weitere ist entweder zu weit entfernt für einen Tag (Laboe, Schilksee, etc.) oder aber bietet für einen ggf. mehrere Tage dauernden Aufenthalt (wegen Wetter, was auch sonst) jetzt nicht unbedingt viel zu sehen und zu erleben.

In Kolonne fahren wir unter Motor die ersten Meter aus dem Hafen und der Fahrrinne nach Burgtiefe raus, wir sind nicht die einzigen, die das Weite suchen. Aber zumindest eine Zeit lang sind wir die einzigen, die nach der Fahrrinne ein Segel setzen. Alle anderen hechten unter Motor ihrem Ziel entgegen. Wir dümpeln nur mit unserer Genua mit wenig Fahrt, aber immerhin Fahrt, vor uns hin und beobachten den Rettungskreuzer „Bremen“, der uns überholt und lauschen dem Funk, wo einer nach dem anderen bei Bremen Rescue Hilfe anfordert. Was ist denn bloß los heute? Teilweise werden die Hilfsbedürftigen auf später vertröstet, weil nicht alle gleichzeitig gerettet werden können. Und dabei ist heute nicht mal fieses Wetter! Wir erinnern uns: 2-4 Knoten Wind, also kurz vor Flaute und entsprechend Null Welle, wenn man vom Schwell der MoBos mal absieht.

An der Ansteuerungstonne Fehmarnsund können wir abfallen und fahren nun platt vorm Laken unter der Brücke durch. Ein hübsches Bauwerk, vor allem von Weitem schön anzusehen. Kurz vorher noch die bange Frage: Meinste, das passt von der Höhe? Hmmm, sieht knapp aus von hier unten, aber da sollten noch 10 m Luft nach oben sein … eigentlich…

Es hat gepasst. Kurz nach der Durchfahrt macht unser Kurs einen Knick und wir müssen halsen, kein Problem bei dem Starkwind heute ;-). Wir sehen schon bald Heiligenhafen und finden auch irgendwann die Ansteuerungstonne für den Ort. Kurz bevor wir die Tonne erreichen ziehen wir das Segel rein, die Fahrrinne ist eher eng und nebendran flach, da gehen wir lieber kein Risiko ein. Wir finden noch ein Plätzchen im örtlichen Segelverein SVH-SSCH und fühlen uns erheblich besser aufgehoben als in der riesigen Marina nebenan, die als Basis für viele Vercharterer bekannt ist.

Der obligatorischen Runde durch den Ort mit erheblich besser ausgebauten Infrastruktur als Burgtiefe, folgt der ebenso obligatorische Blick aufs Wetter. Es sieht eher nicht so aus, als ob es morgen oder die nächsten Tage weitergeht, denn es ist wieder zu viel Wind für uns angemeldet. Wir entscheiden uns zu bleiben und bauen die Kuchenbude auf, was uns bei den abendlichen Schauern gut zupass kommt.

Am nächsten Tag ärgern wir uns kurz über die über Nacht revidierten Wettervorhersagen, die nun passendes Segelwetter vorhersagen und nehmen uns fest vor: das passiert uns nicht wieder! Bei grenzwertiger Wetterlage stehen wir in Zukunft früh auf und gucken, was geht. Wenn’s nicht geht, drehen wir um, wenn’s geht: umso besser!

Nachmittags dann gucken wir mal, wie schön der Strand in Heiligenhafen ist und bewundern die Seebrücke mit der ungewöhnlichen Formgebung. Am Abend folgt dann noch etwas Hafenkino, schließlich ist Mittwoch, da ist Mittwochsregatta. Unser Nachbarboot hat auf einmal eine Besatzung, im Schnitt so ca. 35-40 Jahre alt, die um blöde Sprüche nicht verlegen sind. „Holsteiner Sommer ist dann, wenn der Regen warm ist. Musst dich gut mit Sonnencreme einschmieren, dann perlt das besser ab!“ Die 6,5 Mann starke Crew machen das Boot (eine X 332) in Rekordzeit startklar, alles ist auf Regatta getrimmt. Da werden die Fender auch an die Nachbarboote gehängt, ist ja auch zusätzlicher Ballast. Ein Crewmitglied hatte uns deshalb gefragt: Fahrt ihr raus? Nö! Und schwupps hatten wir zwei Fender mehr an der Reling. Was ihm auch direkt einen Kommentar vom Kollegen einbrachte: Sachma, hast du GEFRAGT? Ja klar, ich hab doch gefragt, ob die noch rausfahren?! Ganz großes Kino 😀

Auch sehr bemerkenswert für uns: Hier wird das Regattafahren ernst genommen, auch wenn es „nur“ die Mittwochsregatta ist: Da werden überall fleißig die Laminatsegel draufgezogen, mit Dacron geht da kaum einer an den Start. Und es sind einige viele Boote am Start. Eine schöne Tradition!

Für morgen und die nächsten Tage, wen wunderts, ist mal wieder Wetter angesagt. Böen mit bis zu 30 Knoten sind dann eher nichts für uns, auch wenn die Crew neben uns bei angesagten 5 Bft. überlegt hat, an welcher Seite denn der Spi heute mehr Sinn macht. Wir gucken uns dann morgen vermutlich das Seenotretter-Museum an und machen uns ansonsten nen ruhigen Tag. Der Weg ist das Ziel!

Wetterdaten, 01. August 2017
Wind: 2 Bft.
Windrichtung: O
Bewölkung: 2/4
Welle: 0,0
Reisedaten, 01. August 2017
Ablegen: 09:50 Uhr
Anlegen: 14:15 Uhr
Ausgangsort: Burgtiefe (Fehmarn)
Zielort: Heiligenhafen, SVH-SSCH
Entfernung unter Motor: 0 sm
Entfernung unter Segeln: 11 sm
Gesamtentfernung: 11 m
Reiseentfernung (davon segelnd): 395 sm (192 sm)

2 Gedanken zu „Der Weg ist das Ziel!“

  1. Ja, das Wetter hat uns in diesem „Sommer“ auch ziemlich genervt. Mit den Hagelkörnern in Kröslin hätte ich auch gut den Drink kühlen können und Gewitterböen jenseits der 9 Bft sind auch nur im Hafen erträglich…
    Dennoch würden wir gerne noch Segeln statt uns gedanklich auf die Arbeit morgen vorzubereiten. Aber zumindest ich habe eine kurze Woche, denn Freitag – Montag bin ich schon wieder mit meinem Kumpel Franky am Segeln.
    Euch wünschen wir gutes Segelwetter, ganz viel Spaß und immer eine Handbreit…

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