Zum Glück gibt es kein Ziel

Das war irgendwie anders geplant. Nach ein paar schönen Tagen in Laboe wollten wir heute weiter segeln. Ziel: Eckernförde. Aber so richtig Schwung wollte in den heutigen Tag nicht kommen.

Das fing schon damit an, dass wir recht spät los kamen. Statt der angepeilten 9.00 bis 10.00 Uhr-Abfahrt legten wir nach allgemeinem Rumgewusel erst um 10.45 Uhr ab und machten uns auf den 21-Meilen-Schlag nach Eckernförde. Der Wind war gut – wie angekündigt aus Nordwest. Oder doch eher Nord… Da hatten wir also das nächste typische „Problem“ der Wind kommt immer etwas mehr aus genau der Richtung, aus der man es nicht gebrauchen kann. Aber es ist nichts unmöglich und vielleicht – sofern er nicht in die falsche Richtung dreht – können wir das zu unserem Vorteil nutzen.

Segel hoch, wir sind ja kein Motorboot. Schön, auch mal eine Glockentonne in Aktion zu hören. Bislang kannten wir das nur von der Karte. Murphy sagt: „Wenn etwas schief gehen kann, wird es schief gehen.“ Ganz so schlimm sollte es nicht sein, aber wir hatten etwas völlig unterschätzt: Die Strömung in die Kieler Förde, wenn der Wind das Wasser reindrückt. Das führte dazu, dass wir heute bei gut 10 Knoten Wind und voller Besegelung unglaubliche 1,5-2 Knoten Fahrt über Grund machten. Am späten Abend in Eckernförde einlaufen ist nicht unbedingt unser Traum für schlaflose Nächte. Dazu kam eine hackige Welle, die eher gar keinen Spaß machte. So gab es zum zweiten Mal auf dieser Reise eine Anpassung des Tagesziels nach dem Ablegen. Wir entschlossen uns, noch etwas auf der Förde zu segeln und die Landabdeckung vor Schilksee zu nutzen und machten so nach 6 Seemeilen in Schilksee fest – einmal über die Förde mit ein paar Kringeln, zumal Paul kurz vor der Hafeneinfahrt noch passend seinen Hunger äußerte. Da Einhand-Anlegemanöver heute nicht auf meinem Programm standen, gab es noch 2-3 Motor-Kringel im Standgas vor der Hafeneinfahrt, bevor wir in den Hafen einfuhren.

Der Olympiahafen ist der größte Hafen auf unserer Tour. Mit knapp 900 Liegeplätzen im Wasser ist er sogar erheblich größer als die Yachthafenresidenz Hohe Düne in Warnemünde. Dennoch fühlen wir uns hier gleich viel wohler. Ist halt ein Sportlerhafen und nicht so Schicki-Micki. Die Stege sind offensichtlich den Vereinen zugeordnet und es gibt auch ein bisschen Vereinsleben auf den Stegen. Die Nachbarn helfen beim Anlegen bzw. weisen schon in der Anfahrt darauf hin, welche Box noch ein paar Tage frei ist. Durch den Wegfall der Fahrt nach Eckernförde ist damit der Yachthafen Düsterbrook in Kiel unser nächstes Ziel. Der ist nämlich quasi in fußläufiger Nähe des Kieler Hauptbahnhofes, ein guter Ausgangs- und Zielpunkt für Eva’s Kurztrip nach Berlin am Wochenende. Beim Plausch mit dem Hafenmeister, dass wir erstmal für eine Nacht bleiben wollen und wetterabhängig ggf. morgen nach Düsterbrook weiter wollen, bietet dieser gleich an, beim dortigen Hafenmeister anzurufen, ob er denn eine Box für ein paar Tage frei hat. Da der dortige Hafenmeister noch in der Mittagspause ist, sollen  wir uns das überlegen und einfach nach 14 Uhr noch einmal vorbeischauen, ob wir rüber fahren wollen. In diesem Fall würde er das abklären und uns eine Box reservieren. Ich bespreche den Vorschlag mit Eva und schaue auf das Wetter für morgen. Sieht gut aus! Also gehen wir später noch einmal zum Hafenmeister. Er hat schon mit dem Kollegen gesprochen und sagte, dort sei hinreichend viel frei, wir sollen einfach vorbeikommen und uns melden. Extra reservieren ist aktuell nicht nötig. Netter Mensch!

Einen Steg weiter vorne entdeckt Eva noch die Tipitina – eine Albin Ballad, deren Besitzer ebenfalls in der Klassenvereinigung ist. Scheinbar ist niemand an Bord, aber wir sehen im Vorbeigehen ein paar interessante Modifikationen, die auch für uns passend sein könnten. Schnell das Handy raus und alles Interessante fotografiert. Man muss das Rad ja nicht zweimal erfinden 😉

Wir schauen uns Schilksee nach einem Strandspaziergang noch ein wenig an. Der Nieselregen lässt eher Herbst als Sommer vermuten – die Temperatur liegt auch deutlich unter 20 Grad. Am Strand findet ein größeres, nationales Beachvolleyball-Turnier statt. Mit langen Hosen, Pullis und teilweise Mützen. Ostseesommer halt. Ich glaube, die haben sich ihren Aufenthalt in Schilksee etwas anders vorgestellt.

Mal sehen, was der morgige Tag bringt…

Wetterdaten, 11. August 2017
Wind: 3-4 Bft.
Windrichtung: N-NO
Bewölkung: 4/4
Welle: 0,5
Reisedaten, 11. August 2017
Ablegen: 10:45 Uhr
Anlegen: 13:00 Uhr
Ausgangsort: Laboe Yachthafen
Zielort: Olympiahafen Schilksee
Entfernung unter Motor: 1 sm
Entfernung unter Segeln: 5 sm
Gesamtentfernung: 6 m
Reiseentfernung (davon segelnd): 436 sm (230 sm)

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