Schnelle Schwedin

Gestern gönnten wir uns eine Pause – einfach einmal nichts tun, außer ein bisschen Angeln und ein paar Runden spazieren gehen. Zum Abschalten ist Barhöft einer der besten Häfen, die man sich vorstellen kann – und jetzt zum Saisonende besonders leer. Gestern Abend gab es dann noch Besuch am Steg. Matthias und Nadja legten etwas näher an der Hafenausfahrt an. Die beiden segeln die Albin Ballad „ALBA“, die uns im letzten Jahr schon während unseres Urlaubs in Barth und Umgebung mehrfach aufgefallen war.

So wurde am Steg noch ein wenig gefachsimpelt, über die Ballad, das Revier, das Segeln und diesen Sommer allgemein. Während es bei uns schon stramm auf das Ende der Reise zugeht, beginnt für die beiden gerade ihr Jahresurlaub. Vielleicht haben sie ja etwas mehr Glück mit dem Wetter als wir.

Heute war ein Tag, wie man ihn sich wünschen kann. Wir hatten 6-10 Knoten Wind aus Nordwest – also gemütliches vor dem Wind herschieben lassen. Wir tankten noch unsere Kanister und unseren Tank wieder voll und legten gegen 9.30 Uhr ab mit dem Ziel, um 12.20 Uhr die Brückenöffnung in Stralsund zu erreichen. Die Genua wurde direkt hinter der Hafenrinne gezogen und wir segelten über den schwach befahrenen Bodden. 11.40 Uhr erreichen wir die Hafeneinfahrt von Stralsund. Genua rein, dann erst den Motor an und hinter die Mole gefahren. Jetzt kam die spannendste Überlegung des Tages: Anlegen oder 20 Minuten kringeln. Da beides nicht sonderlich attraktiv war, entschlossen wir uns, einfach mal den Gang rauszuwerfen und uns in Richtung Brücke treiben zu lassen – und der Plan ging auf. Pünktlich um 12.15 Uhr lagen wir vor der Brücke. Der Wind und die Strömung hatten uns kontinuierlich mit 1,5 bis 2 Knoten in Richtung Brücke geschoben. Wie immer in diesem Urlaub standen wir auf der richtigen Seite der Brücke, nämlich auf der, wo der Wind schob und daher durften wir auch zuerst durch die Brücke fahren.

Direkt hinter der Brücke zogen wir die Genua wieder raus. Vor uns war eine Bavaria 33 durch die Brücke gegangen, die das Groß gesetzt hatte. Wir holten konsequent mit unserer Genua auf, während Herr Charter-Skipper verzweifelt versuchte den Spi zu setzen. Hierbei fuhr seine Co-Skipperin immer wieder dicht vor unseren Bug. Ich hatte mich schon drauf vorbereitet rüberzubölken, denn immerhin waren wir schneller und Überholer, also waren sie kurshaltepflichtig. Nach mehr als 15 Minuten war der Spi dann oben, Stand aber nur bei halbem Wind. Ja, ihr lest richtig: Wir waren nur mit Genua vor dem Wind genauso schnell, wie die Charter-Bavaria unter Spi. Auffallend war allerdings, dass der Spi seinen Kopf ca. 3 Meter unter dem Masttop / dem höchsten Punkt des Vorstags hatte und der Hals knapp 2 Meter über dem üblichen Anschagpunkt für die Vorsegel lag. Ebenfalls in dieser Runde gesellte sich ein älterer Herr in einem sehr alten IF-Boot zu uns – unter Vollzeug. Er schaute kurz zu uns rüber und rief nur: „Wow – nur unter Genua seid ihr verdammt fix!“ Ja, genau darum mögen wir unsere Schwedin.

Aufgrund der unklaren Betriebs- und Infrastrukturlage in Stahlbrode entschlossen wir uns Gustow anzufahren. Schnell war eine schöne Box in guter Lage gefunden – aber sie war zu schmal. Ich stellte mich schon darauf ein, dass eine 10m-Box in diesem Hafen nicht für uns reichen wird und wollte eine 12m-Box ansteuern, als ein Marina-Mitarbeiter uns den Tipp gab, dass die Boxen breiter werden, je weiter sie vom Land weg sind. Wir sollten aber nicht die einzigen mit dem Problem sein. Zu späteren Stunde legte noch eine Bavaria in der Box neben uns an – oder besser gesagt, legte nicht an, denn er blieb nach dem ersten Drittel stecken.

Gustow ist ein schöner Naturhafen mit einer super Infrastruktur im Nirgendwo auf Rügen. Wir können voll verstehen, dass Sandra und Jürgen, die wir in Vitte kennengelernt haben, ihre Nixtun genau hier liegen haben. Die beiden sind leider nicht da – immerhin sind es bis zur Geburt ihres Kindes nur noch knapp 5 Wochen. Dem Boot geht es gut. Wir hoffen, den beiden bzw. den bald dreien geht es auch gut.

Wir werden jetzt ein paar Tage hier in Gustow bleiben, denn morgen kommen uns Pauls Großeltern besuchen, die ihren kleinen Enkel schon knapp zwei Monate nicht mehr gesehen haben…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.