Versuch macht klug

Wir hatten Besuch und blieben wie geplant zunächst zwei Tage in Gustow. Zusammen mit Pauls Großeltern wurde das Umland erkundet und die Vorräte für den Rest unserer Reise aufgestockt – das hatten wir in Anbetracht des bevorstehenden Besuches mit einem Auto nämlich in den letzten Tagen sträflich vernachlässigt. Ein wenig zwiegespalten standen wir heute da. Auf der einen Seite ist das Wetter nicht berauschend und dazu kommt Jürgen noch nach Gustow, um die Nixtun auf den Winter vorzubereiten – zum anderen scheint es aktuell nur am Dienstag die Chance zu geben, vernünftig über das Stettiner Haff zu kommen. Dafür müssen wir heute aber mindestens nach Lubmin besser noch nach Kröslin. Um 9.30 Uhr legen wir ab – wir wollen es versuchen und ansonsten kommen wir einfach zurück.

Es war ein verhangener, zwischendurch richtig nasser Tag auf dem Strelasund und eigentlich war das kein schönes Segelwetter. Aber die Langzeitprognose machte mehr Angst als Hoffnung und daher wollten wir weiter in Richtung Stettiner Haff. Die Genua durfte heute nur halb raus, auch das Reff wurde erstmalig auf diesem Törn ins Groß gebunden.

Die Windrichtung passt – wir können hoch am Wind bzw. Halbwind auf den Greifswalder Bodden fahren. Entgegen unserer Befürchtungen nach den letzten Tagen mit durchgehend 5 Bft. in Böen 7-8, hatte sich kaum eine Welle auf dem Bodden aufgebaut und so lief unsere Schwedin gut vor sich hin und erlaubte einen schönen Ritt auf den überschaubaren Wellen. Lediglich die Wetterwarnung für den Bereich „Östlich Rügen“ (Starkwind 5-6, in Böen 8 Bft.) machte uns ein wenig Sorge. Aber östlich Rügen fängt erst kurz nach unserem Ziel an und für den Bereich nördlich von Swinemünde hatte der dänische Wetterdienst das ja auch vorhergesehen.

Kurz vor dem Fahrwasser nach Kröslin wollten wir die Segel reinholen, denn ab hier heißt es: die letzten 5 Meilen bitte unter Motor gegenan. Beim Bergen der Genua passierte genau das, was Thomas beim Überführungstörn mit Olaf an genau der gleichen Stelle passiert ist: Die Reffleine ist zu Ende, von der Genua stehen noch ca. 35cm im Wind. Aber wir haben dazugelernt: nicht feste ziehen und die Trommel sprengen, sondern die Sache einfach so belassen. Erst einmal. Schnell das Groß runter und dann schauen, ob man die Genua nicht mit einem Bändsel fest bekommt. Schnell war dann leichter gesagt als getan, denn beim Bergen des Großsegels passierte dann das nächste Malgestern: die Schraube, die die Mastrutscher unten an Ort und Stelle halten sollte, war leider nicht richtig fest, denn wir hatten morgens durch das Reffen einen Mastrutscher nach unten nehmen müssen. Also fielen sämtliche Mastrutscher beim Bergen des Segels nach unten durch, so dass das Segel mehr oder weniger frei auf dem Baum rumlag. Nicht unbedingt der Traum unserer schlaflosen Nächte, wenn man am den Wind denkt, den wir hatten. Also schnell das Groß fest gebändselt, damit es sich nicht aufblähen kann und zum Glück die Schraube wieder eingesammelt, die noch an Ort und Stelle rum lag. Dann weiter mit der Genua. 

Eva pickt sich ein und wandert aufs Vorschiff. Der Wind hat inzwischen zugenommen und auch die Welle wird ein wenig kabbelig. Mit ein paar geübten Handgriffen ist die Genua fest und wir können in aller Ruhe in Richtung Kröslin motoren. Kurz vor Freest beobachten wir noch eine Seascape 26 nur unter Großsegel im Fahrwasser. Nach zwei Sonnenschüssen halte ich schon ordentlich Abstand. Als wir das Schiff querab haben rumst es heftig – eine Patenthalse bei sicherlich guten 6-7 Windstärken hier in dem Strom muss man sich auch erlauben können. Wir kommen sicher in Kröslin an und sortieren und dann erstmal, was die Segel angeht. 

Morgen geht es dann weiter nach Rankwitz, denn wir wollen / müssen bald über das Stettiner Haff. 

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